Adolf Martens

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1850 – 1914 | Adolf Martens war ein herausragender Werkstoffkundler und Materialforscher. Er leitete ab 1884 die Königliche Mechanisch-Technische Versuchsanstalt in Berlin, ein Vorgängerinstitut der BAM. Adolf Martens konstruierte zahlreiche Werkstoffprüfmaschinen. 1899 erschien sein viel beachtetes „Handbuch der Materialienkunde“. Heute erinnern noch einige Fachbegriffe der Materialforschung an Adolf Martens: Die Universalhärte heißt seit 2003 Martenshärte, es gibt die Ritzhärte nach Martens und den Flammpunkt nach Pensky-Martens. | Foto von Adolf Martens von Rudolf Dührkoop, 1907. Die Königliche Technische Hochschule zu Berlin. Kamera-Bildnisse, Berlin 1907.

Wie es wohl wäre, wenn wir Adolf Martens mit einer Zeitmaschine in die Gegenwart katapultieren könnten? Dann würde er sehen, wie sich „seine“ Materialprüfungsanstalt bis heute entwickelt hat. Wahrscheinlich würde er staunen: 1600 Menschen arbeiten 2021 an vier Standorten mit modernsten Prüfmaschinen und Methoden. Und die vielen neuen Themen der Materialforschung im 21. Jahrhundert! Verwundert wäre Martens vielleicht, wie viele Frauen heute in der BAM arbeiten. Das war zu seiner Zeit ganz anders. Sicher wäre er auch stolz darauf, wie seine eigene Forschung sich weiterentwickelte: An Reibung und Verschleiß forschen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in der BAM heute noch, wenn auch zu ganz anderen Materialien. Und die Fraktografie ist bei der Schadensaufklärung nach wie vor wichtig, die Analyse von Bruchflächen bei Bauteilen oder anderen Komponenten. Auch Adolf Martens hatte sich mit diesem Thema befasst.

Wo kriegen die Kollegen und Kolleginnen heute ihre Prüfmaschinen her? Martens konstruierte noch einige seiner Maschinen selbst, da es diese am Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht zu kaufen gab. Heute wird an der BAM weniger an der Konstruktion von Maschinen gearbeitet und mehr an Fragen der Sicherheit in Technik und Chemie. Vielleicht würde Adolf Martens bedauern, dass die BAM schon seit Jahrzehnten keine Papierforschung mehr betreibt, für die er selbst so viel getan hat. Das Papier, das damals für wichtige Dokumente verwendet wurde, alterte zu schnell und eignete sich schlecht für die Langzeit-Archivierung. Aber diese Probleme sind im Jahr 2021 längst gelöst. Und so viel Papier wie früher braucht man heute auch gar nicht mehr, das würde Adolf Martens bei seinem Rundgang durch die BAM auch erfahren. Vielleicht würde er sich über die vielen „Computer“ wundern, die das mühsame Schreiben per Hand und das Rechnen mit dem Kopf unnötig machen. Und die Bilder, die Adolf Martens vom Mikroskop noch per Hand abzeichnete, erscheinen dort wie von selbst. Sicher wäre er beruhigt zu sehen, dass die BAM auch heute noch eine unabhängige staatliche Einrichtung ist und nicht fremden Interessen unterworfen. Vielleicht wäre er auch ein wenig stolz darauf, dass sich die BAM ganz in seinem Sinne weiterentwickelt hat, zu einer modernen Einrichtung für besonders kniffelige Aufgaben in der Materialforschung.

Am Schluss seines Rundgangs würde Martens wohl vor seinem ehemaligen Wohnhaus Halt machen. Heute ist in dem schönen Altbau aus Klinkerziegeln der Bereich Informationstechnik untergebracht. Und da, wo früher sein Garten war, stehen heute ein paar schmucklose Container und das Rechenzentrum. Seine geliebten Rosen wachsen dort schon lange nicht mehr.

Adolf Martens wäre wohl trotzdem zufrieden.

Büste Adolf Martens

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